Informationsrapport der Luftwaffe 2008
Bundesrat Schmid beim Kader der Luftwaffe
Rund 600 Offiziere und Höhere Unteroffiziere der Schweizer Luftwaffe trafen sich am Dienstag, 15. April 2008, auf dem Militärflugplatz Emmen zum jährlich stattfindenden Informationsrapport. Als Referenten traten Bundesrat Samuel Schmid, Vorsteher des Eidgenössischen Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS), Korpskommandant Roland Nef, Chef der Armee, sowie Korpskommandant Walter Knutti, Kommandant der Luftwaffe, auf.
«Die Luftwaffe ist für ein Land, das den Neutralitätsschutz ernst nimmt, von zentraler Bedeutung», sagte Bundsrat Schmid gleich zu Beginn seiner Ansprache. Er begrüsse deshalb auch die Ablehnung der Initiative gegen Kampfjetlärm in Tourismusgebieten, aber: «Es wäre eine Verkennung der Tatsachen, wenn wir jetzt die Hände in den Schoss legen würden.» Mit dem Abstimmungsergebnis sei ein politischer Auftrag verknüpft: «Wir haben alles zu unternehmen, um der betroffenen Bevölkerung in den Flugplatzregionen entgegenzukommen.» Samuel Schmid kam dann auch auf den Teilersatz der Tigerflotte zu sprechen: «Ich bin überzeugt, dass das am Ende seiner Lebensdauer stehende Kampfflugzeug Tiger ersetzt werden muss. Wir müssen in der politischen Diskussion auf überzeugende Art belegen können, dass die 33 F/A-18 nicht ausreichen, um im heutigen Bedrohungsumfeld den Auftrag zu erfüllen und die Schweiz als autonomes Land ausreichend zu schützen.» Schmid möchte künftig jederzeit aktiv im Luftpolizeidienst intervenieren können: «Ich habe die Absicht, eine Interventionsmöglichkeit aus dem Stande zu schaffen.» Der jetzige Zustand genüge angesichts der heutigen Bedrohungslage nicht.
Vom Können beeindruckt
Korpskommandant Roland Nef, Chef der Armee, blickte in seiner Ansprache auf den Truppenbesuch zurück, den er am 7. März bei der Fliegerstaffel 11 in Meiringen vorgenommen hatte: «Ich erlebte an Bord einer F/A-18 einen Echteinsatz im Rahmen der Identifikation einer US-Maschine.» Nef zeigte sich beeindruckt vom Können der Piloten. Dann nahm auch er Stellung zum Tiger-Teilersatz. Die Armee brauche die neuen Kampfflugzeuge und könne dies auch glaubhaft darlegen. Es gelte bei jeder Gelegenheit darüber zu sprechen, welche Leistungen die Luftwaffe erbringt: «Im letzten Jahr wurden im Rahmen des Luftpolizeidienstes 23 ‹Hot Missions›, also Interventionen, und 295 ‹Live Missions›, dies sind Kontrollen von Überflügen, durchgeführt. Damit zeigen wir die Notwendigkeit unseres Auftrags und schaffen Glaubwürdigkeit.»
Fehlende Ausdauer
Den Abschluss des Informationsrapports bildeten die Ausführungen von Luftwaffen-Kommandant Walter Knutti. In seinem Jahresrückblick hob er hervor, dass es bei der Luftwaffe in den vergangenen zwölf Monaten zu keinen nennenswerten Unfällen gekommen ist: «Dies liegt am hohen Sicherheitsbewusstsein und an der Kultur, mit Fehlern offen umzugehen. Dies ist eine Geisteshaltung, die nicht hoch genug eingeschätzt werden kann.» Als weiteren Höhepunkt nannte er die Fusion der Lehrverbände im Bereich der Führungsunterstützung unter dem Dach der Luftwaffe: Am 1. Januar 2008 ist der Lehrverband Führungsunterstützung 30 (LVb FU 30) aus den früheren Lehrverbänden FU 1 (Heer) und FULW 34 (Luftwaffe) hervorgegangen. Weiter sprach Korpskommandant Knutti das Live Firing in den USA an, bei dem von einer F/A-18 aus scharfe Lenkwaffen abgeschossen wurden: «Wir haben insgesamt 14 Lenkwaffen verschossen und dabei einiges an Know-how gewonnen.» Der Kommandant erwähnte auch die Einführung eines Krisenstabes (COSAF, Crisis Organisation Swiss Airforce) und des Prozessorientierten Managementsystems (PMS-LW). Positiv fiel die Bilanz über den Einsatz am WEF in Davos und die Übung «Open Spirit» auf Kreta aus. Bei letzterer wurde erstmals ein Schweizer Flabsystem im Verbund mit einem ausländischen System – mit dem Deutschen «Patriot» – eingesetzt. Auch Korpskommandant Knutti beleuchtete die Beschaffung des Tiger-Teilersatzes: «In erster Linie müssen wir den Luftpolizeidienst garantieren. Die 33 F/A-18 bieten im 24-Stunden-Einsatz zu wenig Ausdauer. Wir müssen diese Aufgabe länger als nur einige Tage erfüllen können.»

