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Schweizer Luftwaffe

Pilotenausbildung in der Luftwaffe – von der Selektion zur Brevetierung

Um im Cockpit eines F/A-18 Kampfflugzeuges oder eines SuperPuma/Cougar Helikopters Platz zu nehmen braucht es Einiges. Während der fünf Jahre dauernden Ausbildung werden verschiedenste Fähigkeiten erworben - von der Talentabklärung über die Offiziersausbildung bis zur fliegerischen Grund- und Weiterbildung. Auf dieser Website werden die Eckpfeiler des Selektions- und Ausbildungsprozesses für Militärpiloten der Luftwaffe vorgestellt.

SPHAIR-Teilnehmer mit Flugzeug (Vergrösserung im neuen Fenster)Vergrösserung im neuen Fenster
SPHAIR-Teilnehmer mit Flugzeug

SPHAIR – Exploring Aviation Talent

Der Einstieg in die Welt der militärischen Fliegerei erfolgt über SPHAIR (www.sphair.ch Externe Seite. Inhalt wird in neuem Fenster geöffnet.). Dieses Konzept löste vor einigen Jahren die «fliegerische Vorschulung» ab. Für SPHAIR bewirbt man sich online und wird, falls geeignet, nach Dübendorf zu einem eintägigen «Screening» aufgeboten. Dabei werden verschiedene Fähigkeiten und Kenntnisse der Kandidaten geprüft, wie etwa Wahrnehmung, Raumorientierung, Physik, Kopfrechnen oder Englisch. Jährlich melden sich zirka 500 junge Menschen bei SPHAIR an. Bei einem positiven Resultat kann sich der Kandidat für einen zweiwöchigen Flugkurs einschreiben. In dieser Zeit bekommt er zum ersten Mal die Möglichkeit, das Gefühl des Fliegens hautnah zu erleben. Er lernt das Flugzeug selbständig zu fliegen, wobei jeder Flug detailliert besprochen wird. Der Kandidat wird aufgefordert seine Stärken und Schwächen selbständig zu erkennen und eigene Lehren daraus zu ziehen. Natürlich steht ihm immer ein Fluglehrer zur Seite, der ihn dabei unterstützt.

Am Ende des Kurses wird für jeden Teilnehmer ein Zertifikat ausgestellt worauf ersichtlich ist, ob der Kandidat grundsätzlich als Pilot bei der Luftwaffe in Frage kommt. Eine positive Eignung ist die Voraussetzung um sich bei der Rekrutierung als Pilotenanwärter melden zu können.

 

Cockpit des PC-7 Simulators
Cockpit des PC-7 Simulators

Rekrutierung und Berufseignung

Mit dem positiven Resultat aus dem SPHAIR-Kurs begibt sich der Kandidat zur Rekrutierung. Es spielt dabei keine Rolle bei welchem Lehrverband der Pilotenanwärter eingeteilt wird. Dies kann sowohl beim Heer als auch bei der Luftwaffe sein, ganz nach militärischen Interessen des Kandidaten bzw. Bedarf der Armee. Die Offiziersausbildung und Beförderung zum Leutnant ist Voraussetzung für die Ausbildung zum Berufsmilitärpiloten.

Der Selektionsprozess geht mit der klinisch-psychologischen Abklärung in die nächste Phase. Sie findet im Fliegerärztlichen Institut (FAI) in Dübendorf statt. Der Kandidat wird zunächst auf die flugmedizinischen Anforderungen hin untersucht. Danach wird eine intensive Befragung durch Psychologen vorgenommen. Dabei wird ganz konkret auf Schwächen des Kandidaten eingegangen die aus SPHAIR bekannt sind und es werden schulische Schwächen auf Grund von Zeugnissen besprochen. Der Abschluss bildet ein Motivationsgespräch mit einem Militärpiloten. Die Motivation ist wohl eine der zentralen Faktoren die der Kandidat besitzen muss um auch während der langen Ausbildungszeit das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren.

Ebenfalls im FAI findet als nächster Schritt die zweitägige Berufseignungsabklärung statt. Dort wird geprüft ob der Kandidat als Person in das Berufsbild des Militärpiloten passt. Es werden unter anderem die Fähigkeit der Kandidaten in Teamarbeit und Kommunikationskompetenz getestet, um die charakterlichen Eigenschaften des Pilotenanwärters zu erkennen.

Wurde der Kandidat bis zu diesem Zeitpunkt als geeignet befunden, wird er für die PC-7 Simulatorselektion auf den Militärflugplatz Locarno Externe Seite. Inhalt wird in neuem Fenster geöffnet. aufgeboten. Während rund einer Woche werden ein Probeflug und vier Prüfungsflüge durchgeführt. Der Kandidat muss zeigen, dass er Instrumente richtig lesen und interpretieren kann, dass er Kurven-, Steig- und Sinkflüge richtig einleitet und überwacht. Während den vier Prüfungsflügen wird der Schwierigkeitsgrad ständig angehoben. So muss beispielsweise beim letzten Flug der neue Flugkurse anhand einer Kopfrechnungsaufgabe ermittelt werden, dies währendem gleichzeitig ein Steigflug auf der richtigen Höhe ausgeleitet und die Geschwindigkeit auf den richtigen Wert erhöht werden muss.

 

Flugbetrieb mit Pilatus NCPC-7 (Vergrösserung im neuen Fenster)Vergrösserung im neuen Fenster
Flugbetrieb mit Pilatus NCPC-7

Militärdienst und fliegerische Abklärung

Der PC-7 Simulator bildet die letzte Selektionsstufe vor der einjährigen Offiziersausbildung. Im Normalfall rückt der Pilotenanwärter in die Sommer-Rekrutenschule ein. Während sieben Wochen findet die Grundausbildung innerhalb der RS statt, danach wechselt der Kandidat in die Anwärterschule, wo er zusammen mit den Unteroffiziers-Anwärtern ausgebildet wird. Im Anschluss werden vier Wochen im zentralen Offizierslehrgang bestritten. Nach der Offiziersausbildung und einem Praktikum als Zugführer innerhalb einer RS wird der Aspirant zum Leutnant befördert. Es folgt das Abverdienen des Grades während den verbleibenden Wochen.

Nach einer umfassenden medizinischen Untersuchung im FAI werden die Kandidaten zur fliegerischen Abklärung auf den Flugplatz Locarno aufgeboten. Etwa 20 - 30 Pilotenanwärter treten diese sechswöchige Ausbildungs- und Prüfungsphase an. Während der ersten Woche lernen die Kandidaten das Ausbildungs- und Verbindungsflugzeug Pilatus PC-7 Turbo-Trainer der Luftwaffe kennen. Die Checkliste wird auswendig gelernt, sämtliche Schalter, Hebel und Instrumente im Cockpit für den folgenden Blindtest verinnerlicht und die Geografie des Tessins anhand von Karten und Dias eingeprägt.

Die folgenden drei Wochen stehen ganz im Zeichen der Ausbildung. Die aus dem Berufsfliegerkorps Externe Seite. Inhalt wird in neuem Fenster geöffnet. (BFK, ehemals Ueberwachungsgeschwader UeG) stammenden Fluglehrer haben die Aufgabe, die Kandidaten intensiv zu schulen und sie optimal auf die Prüfungsflüge vorzubereiten. Unter den Fluglehrern befinden sich ab und zu auch Mitglieder der Patrouille Suisse Externe Seite. Inhalt wird in neuem Fenster geöffnet. oder des PC-7-TEAMS Externe Seite. Inhalt wird in neuem Fenster geöffnet.. In dieser Ausbildungszeit lernen die Kandidaten zunächst fundamentale Flugmanöver mit dem leistungsstarken Turbo-Prop, dann aber auch Anspruchsvolleres wie Kunstflugprogramme oder Navigationsflüge.

Während den verbleibenden zwei Wochen der sechswöchigen Phase werden fünf Prüfungsflüge durchgeführt. Mit immer anderen Prüfungsfluglehrern müssen die Kandidaten nun nochmals an ihre Grenzen gehen und das Gelernte umsetzen. Es entscheidet sich nun, wer von der Luftwaffe angestellt wird und die Ausbildung zum Militärpiloten in Angriff nehmen darf. In den vergangenen drei Jahren waren dies jeweils 12 Kandidaten.

 

Studium in Winterthur
Studium in Winterthur

Zunächst ins Studium

Die Ausbildung zum Militärpiloten sieht zunächst ein dreijähriges Aviatik-Studium an der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften Externe Seite. Inhalt wird in neuem Fenster geöffnet. in Winterthur vor. Integriert in diese akademische Weiterbildung durchlaufen die Anwärter die Ausbildung zum Verkehrspiloten. Das dazu nötige Theoriewissen wird in Form von Studienkursen an der Schule unterrichtet. Die praktische Ausbildung wird bei der Pilotenschule der Swiss, der Swiss Aviation Training Externe Seite. Inhalt wird in neuem Fenster geöffnet. (SAT) absolviert. Nach zwei Jahren Studium werden die Anwärter in der Sommerpause zunächst zu Privatpiloten ausgebildet. Während des dritten Studienjahres folgt die Grundausbildung im Instrumentenflug in einem Simulator bei SAT in Kloten. Nach Abschluss des Studiums mit dem Titel «Bachelor of Science in Aviation» begeben sich die Pilotenschüler für rund drei Monate nach Vero Beach in Florida, wo sie die praktische Ausbildung im Instrumentenflug auf ein- und zweimotorigen Propellerflugzeugen abschliessen. Zurück in der Schweiz folgt ein Europapaket, wo die in den USA gelernten Fähigkeiten auf Europa übertragen und vertieft werden. Mit dem Multi Crew Cooperation–Kurs findet die zivile Verkehrspilotenausbildung ihren Abschluss. In diesem Kurs lernen die Schüler im Simulator die Verfahren im Flugzeug mit mehreren Piloten, wie die Arbeitsteilung und Kommunikation zwischen Kapitän und Co-Pilot geregelt wird.

 

Der Pilatus PC-21 zur Jetausbildung (Vergrösserung im neuen Fenster)Vergrösserung im neuen Fenster
Der Pilatus PC-21 zur Jetausbildung

Zurück bei der Luftwaffe

Dreieinhalb Jahre sind nun seit der Einstellung bei der Luftwaffe vergangen. In dieser Zeit wurde mit Studium und Verkehrspilotenlizenz eine wertvolle Ausbildung im zivilen Bereich absolviert. Damit ist der angehende Militärpilot auch bestens für eine allfällige Tätigkeit ausserhalb des Militärs gerüstet.

Nun beginnt die Grundausbildung in der militärischen Fliegerei. Die Pilotenanwärter haben bereits während dem Studium ihre Sparteneinteilung erhalten. Sie wissen also bereits, ob sie zu Jet- oder Helipiloten ausgebildet werden. Der eigene Wunsch sowie der militärische Bedarf sind für diesen Entscheid die Grundlage. Die Ausbildungswege der Heli- bzw. Jetpiloten teilen sich an dieser Stelle. Die Grundausbildung der Jetpiloten findet auf dem bereits bekannten Pilatus PC-7 statt. Während einem Jahr lernen die Schüler ab dem Flugplatz Locarno die Grundlagen der militärischen Fliegerei. Dies beinhaltet unter anderem Verbandsflug, Tiefflüge, Navigationsflüge, Kunstflugübungen und erste Luftkampfmanöver.

Nach einem Jahr auf PC-7 verlegen die Jetpilotenschüler ihren Dienstort nach Emmen Externe Seite. Inhalt wird in neuem Fenster geöffnet. und werden während eines Jahres auf dem neuen Trainingsflugzeug Pilatus PC-21 ausgebildet. Dieses 1600 PS starke und fast 700 km/h schnelle Turbo-Prop-Flugzeug hat in vielen Bereichen den Charakter eines Jets, jedoch zu wesentlich günstigeren Betriebskosten. Die hochmoderne Instrumentierung ermöglicht Luftkämpfe mit Waffeneinsatz zu simulieren und ist eine gute Vorbereitung auf das Boeing F/A-18 Hornet-Cockpit. Die Jetpilotenschüler lernen in dieser letzten Ausbildungsphase vor der Brevetierung das tägliche Handwerk vom Kampfpiloten. Luftpolizeidienst nimmt dabei einen grossen Anteil ein.

 

Der neue Heli Eurocopter EC635 (Vergrösserung im neuen Fenster)Vergrösserung im neuen Fenster
Der neue Heli Eurocopter EC635

Die Helipilotenschüler werden ab 2010 direkt auf dem neuen Helikopter der Luftwaffe, dem Eurocopter EC635, ausgebildet. Dieser zweimotorige Helikopter mit modernster Instrumentierung lässt auch Nacht- und Instrumentenflug zu. Dies war mit dem früheren Ausbildungsheli, der Sud-Aviation Alouette III, nicht möglich. Die ersten Flugstunden im Cockpit eines Helis sammeln die Pilotenschüler im Tessin ab Locarno. Danach wird die Ausbildung hauptsächlich ab Alpnach Externe Seite. Inhalt wird in neuem Fenster geöffnet. durchgeführt, wobei aber auch Ausbildungsblöcke auf anderen Militärflugplätzen anstehen. Den Heli-Pilotenschülern werden Fähigkeiten zum Lastentransport, Gebirgsflug, Nachtflug, Instrumentenflug und in taktischen Einsätzen mit Tiefflug vermittelt.

 

Lt Marius Krüsi Externe Seite. Inhalt wird in neuem Fenster geöffnet.
Lt Marius Krüsi, Nickname «Crus»

Brevetierung

Nach zwei Jahren fliegerischer Ausbildung im Militär und einer Ausbildungszeit von fünfeinhalb Jahren werden die Schüler zu Militärpiloten brevetiert. Sie werden je nach Wunsch und Bedarf in Staffeln auf verschiedenen Militärflugplätzen eingeteilt. Von dort aus werden sie ihre Einsätze fliegen. Nach der Brevetierung ist die Ausbildung noch längst nicht zu Ende. Erst jetzt werden die jungen Militärpiloten auf ihr Einsatzflugzeug, den F/A-18 Hornet-Kampfjet bzw. den Aérospatiale Super Puma / Eurocopter Cougar Transporthelikopter, umgeschult.


Viele weitere Informationen, Bilder, Videos und Erfahrungsberichte zur Militärpilotenausbildung finden sich auf den folgenden Websites:


Lt Marius Krüsi

Pilotenklasse 2005 (PK05) / Winterthur, 2. März 2009

 

Für Fragen zu dieser Seite: Kommunikation Luftwaffe
Zuletzt aktualisiert am: 30.11.2011
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