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Schweizer Luftwaffe

Sud-Aviation SE-3160 Alouette III

Alouette III über Gewässer (Foto 20055345) (Vergrösserung im neuen Fenster)Vergrösserung im neuen Fenster
Hersteller: Sud Aviation, Marignane, F
Lizenzbau: F+W Emmen (heute RUAG Aviation), 60 Einheiten
Baujahre: 1964, 1966, 1972 bis 1974
Verwendungszweck: Verbindung, Transport, Rettung
Besatzung: 1 Pilot, 6 Passagiere
Im Einsatz: 1964 - 2010
Anzahl beschaffter Helikopter: 84

Registrationen:
V-201 bis V-284

 

Alouette fliegt über ein Dorf

Nach der Aufnahme des Helikopterflugdienstes in der Schweizer Armee (1958-1963) mit Helikoptern Alouette II (5 Plätze) zeigte sich bald das Bedürfnis nach mehr Triebwerks- und Transportleistung. So wurden 1964 vom französischen Hersteller Sud-Aviation die ersten 9 Helikopter vom düsengetriebenen Typ Alouette III (7 Plätze) beschafft. Die grössere Triebwerksleistung dieser Alouette III (deutsch: Lerche) Typen wirkte sich vor allem im Gebirgseinsatz vorteilhaft aus. Sprunghaft stiegen nun auch die Transportbedürfnisse der übrigen Armee und so wurde eine Vergrösserung der Flotte nötig. In zwei weiteren Serien wurden zusätzliche Maschinen dieses Typs beschafft; 15 Einheiten im Jahre 1966 direkt vom Werk und 1972 bis 1974 60 Maschinen in Teillizenz vom Eidgenössischen Flugzeugwerk Emmen.

Heute werden die Helikopterpiloten direkt auf der Alouette III ausgebildet. Diese Helikopter, auf verschiedene Leichtfliegerstaffeln aufgeteilt, bilden das wichtige Lufttransportelement der Truppe. Die Alouette III bewähren sich besonders für Personen- und Truppentransporte sowie im Aussenlastverfahren für Materialtransporte. Zusätzlich dienen sie, mit angehängten Wasserbehältern, der Waldbrandbekämpfung und einzelne mit Winden ausgerüstete Maschinen bewähren sich im Bergrettungsdienst. Von den ursprünglich 84 beschafften Alouette III gingen bisher deren 14 bei Unfällen verloren.

1964 begann die Einführung der ersten 9 Alouette III (V-201 bis V-209), die inklusive Logistik für rund 10,5 Millionen Franken gekauft werden konnten. Bereits am 7. Juli 1964 kam es zu einem ersten Rettungseinsatz für die Alouette III. Zwei Soldaten einer abgestürzten Seilschaft blieben im Bergell schwer verletzt liegen und mussten im hohen Schnee schnellstmöglich geborgen werden. Die Lehren aus diesem Einsatz wurden gezogen: Seitdem waren die Alouettes in der Schweiz fast ausnahmslos mit montierten Rad-Skis unterwegs. Vor versammelter Presse wurde anlässlich der Gotthard-Manöver 1966 demonstriert, wie ein ganzes Bataillon im Gebirge mit drei Helis innerhalb von 20 Minuten versorgt werden konnte. Die Blick-Schlagzeile am nächsten Tag lautete schlicht: «Mehr solcher Vögel sollten wir haben.» Die Leistungen dieses flexiblen Transportmittels überzeugten derart, dass ein zweites Los beschafft wurde und zwischen 1966 und dem 18. Januar 1967 insgesamt 15 weitere Alouette III zur bestehenden Flotte stiessen. Nicht bezahlt werden musste dabei die Maschine mit der Registration V-210. Sie wurde im Tausch gegen die drei gebrauchten Djin-Helikopter in die Schweiz geliefert.

Die Alouette III-Flotte wurde mit einer dritten Serie noch einmal massiv ausgebaut. Obwohl auch schwere Transporthelikopter zur Diskussion standen, entschied sich der Bundesrat für die Beschaffung von weiteren 60 Alouette III, die beim Eidgenössischen Flugzeugwerk (F+W) in Emmen unter Lizenz gebaut werden sollten. Zwar wurde auch der Bell 205 (Bell UH-1) mehrmals evaluiert, doch vermochten seine Leistungen im Gebirge nicht zu überzeugen. So konnten zwischen 1972 bis 1974 total 60 Alouettes aus der Produktion im F+W Emmen übernommen werden.

Besonders wegen der vielen tief fliegenden Venoms und Hunter, erhielten die Alouettes 1973 orange Leuchtstreifen für die bessere Sichtbarkeit. Diese wurden mit der Einführung der Super Pumas wieder entfernt, da die Alouettes die gleichen Strobelights (Blitzlichter) wie die neuen Helis erhielten. Mehrere Alouette III wurden nach Unfällen nicht weniger als dreimal neu aufgebaut. Nicht bewährt hatte sich die Alouette III als Waffenträger. Sie erwies sich bei den Schiessversuchen mit ungelenkten Raketen als instabile Plattform. Nachdem zwei Jahre zuvor schon erste Versuche mit Nachtbrillen durchgeführt wurden, erhielt die V-272 schon 1992 ein NVG-kompatibles (Night Vision Goggles) Cockpit. Die erste FLIR (Infrarot-) Kamera der Luftwaffe, die von der REGA übernommen wurde, kam ab 1996 an der Alouette III zum Einsatz und bewährte sich 1997 bei der ersten FLIR-Personensuche nach einem vermissten Snowboarder im Kanton Obwalden.

Im 1963 unterzeichneten Liefervertrag für die ersten neun Alouette III für die Schweiz, sicherte der Hersteller die Unterstützung mit Ersatzteilen bis 2015 zu. Mit dem Entscheid im Jahr 2000, die pro Heli 1,5 Millionen Franken teure Grundüberholung bei zwölf Alouette III nicht mehr durchzuführen, begann das langsame Ende der Alouette-Karriere bei der Schweizer Luftwaffe. 2002 folgte ein weiterer Reduktionsbeschluss. Bis 2004 sollte die Flotte auf 35 Maschinen verkleinert werden. Nachdem Generationen von Heli-Piloten auf der Alouette III das Fliegen lernten, wird der französische Klassiker in der Luftwaffe auch in dieser Rolle vom neuen Eurocopter EC635 abgelöst.

 

Logo 316‘000ste Flotten-Flugstunde 2010 (Vergrösserung im neuen Fenster)Vergrösserung im neuen Fenster

Ende der Alouette III-Ära

Gemäss einem Entscheid des Chefs der Armee werden per Ende 2010 die letzten Alouette III ausser Dienst gestellt.

Letztes Jubiläum

Am 1. Juni 2010 fand ein spezielles Ereignis statt. Hptm Frank Pfister von der LT St 1 flog die 316‘000ste Flugstunde mit einer Alouette III der Schweizer Luftwaffe. Die doch etwas ungewohnte «Jubiläumszahl» steht im direkten Zusammenhang mit der offiziellen Werksbezeichnung SE-3160 des Helikopters. Die Alouette mit der Kennung V-240 absolvierte diesen Flug ab Dübendorf.

 

Alouette III mit dem Jubiläumslogo auf der Türe (Vergrösserung im neuen Fenster)Vergrösserung im neuen Fenster
Alouette III mit dem Jubiläumslogo auf der Türe.

Hptm Frank Pfister vor der Jubiläumsmaschine V-240. (Vergrösserung im neuen Fenster)Vergrösserung im neuen Fenster
Hptm Pfister vor der Jubiläumsmaschine V-240.

 

Schweiz überlässt Pakistan Alouette-III-Helikopter zur Verstärkung des Such- und Rettungswesens

Der Bundesrat hat am 08.09.2010 entschieden, dass die letzten zehn Helikopter des Typs Alouette III, die noch im Besitz der Schweizer Luftwaffe sind und auf Ende 2010 ausser Betrieb genommen werden, Pakistan kostenlos übergeben werden. Die Helikopter werden dort für Such- und Rettungszwecke verwendet. Dazu hat sich Pakistan schriftlich verpflichtet.

 

Der erste Helikopter wird durch schweizerische und pakistanische Spezialisten in ein pakistanisches Transportflugzeug vom Typ Lockheed Martin C-130E Hercules verladen. (Vergrösserung im neuen Fenster)Vergrösserung im neuen Fenster

Erste Alouette III an Pakistan übergeben
Die erste Alouette III (V-268) ist am 20.09.2010 auf dem Militärflugplatz Emmen an Pakistan übergeben worden. Der Helikopter wurde durch schweizerische und pakistanische Spezialisten in ein pakistanisches Transportflugzeug vom Typ Lockheed Martin C-130E Hercules verladen.

Am 18.11.2010 landete wieder eine C-130E Hercules in Emmen und flog am 22.11.2010 mit der zweiten und dritten Alouette III wieder in Richtung Pakistan ab. Man erkannte, dass es möglich ist, gleich zwei Helikopter in die grosse Transportmaschine zu verladen.

 

Alouette III mit Sonderbemalung «GOODBYE Alouette III 1964-2010». (Vergrösserung im neuen Fenster)Vergrösserung im neuen Fenster
Alouette III mit Sonderbemalung «GOODBYE Alouette III 1964-2010».

Alouette III – nach 46 Jahren ausgemustert

Nach 46 Jahren und weit über 300‘000 Flugstunden standen am Freitag, 10. Dezember 2010, letztmals Helikopter des Typs Sud-Aviation SE-3160 Alouette III bei der Schweizer Luftwaffe im Einsatz. Ein Formationsflug über dem Militärflugplatz Alpnach setzte den Schlusspunkt hinter die Ära der einst 84 Alouette III-Helikopter umfassenden Flotte.

 

 

Zum Zeitpunkt der Ausmusterung standen nur noch neun Alouette III bei der Luftwaffe im Einsatz.

Ein Tipp für Plastikmodellbauer: Speziell für die oben abgebildete Alouette III mit der blauen Sonderbemalung hat Herr Daniel Müller aus Brienz Abziehbilder (Decals) herstellen lassen:

 

 

Technische Daten

Max. Geschwindigkeit:210 km/h
Max. Steigleistung:4.3 m/s
Max. Einsatzhöhe:3'300 - 5'000 m/M
Flugdauer:2 Stunden 30 Minuten
Reichweite:495 km
Bauart:Zentralgerüst Stahlrohrkonstruktion, Kabinenaufbau und Leitwerkträger Leichtmetall
Länge:12.9 m (Rotorblatt nach vorn)
Höhe:2.97 m
Breite:2.59 m (Rotor gefaltet)
Rüstgewicht:1'200 kg
Zuladung:900 kg
Max. Abfluggewicht:2'100 kg
Triebwerk:Modell: Artouste IIIB
Hersteller:Ets Truboméca, Bordes, F
Typ:Turbo-Triebwerk
Nennleistung:550 PS bei 33'500 U/Min; Hauptrotor 400 U/Min
Hauptrotor:Anzahl Blätter: 3
Durchmesser:11.02 m
Ausrüstung:Skis, Sanitätsbahren, Lastenschloss, Rettungswinde

 

 

Für Fragen zu dieser Seite: Kommunikation Luftwaffe
Zuletzt aktualisiert am: 11.04.2012
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