British Aerospace Hawk Mk 66

Hersteller: British Aerospace Ltd, Brough, Grossbritannien
Endmontage: Eidgenössisches Flugzeugwerk Emmen
Baujahre: 1989/1990
Verwendungszweck: Ausbildung und Training
Besatzung: 1 Fluglehrer, 1 Flugschüler
Im Einsatz: 1990 - 2002
Anzahl Flugzeuge: 20 (U-1256 Absturz am 15.10.1990)
Registrationen: U-1251 bis U-1270


- Verabschiedung Jet-Trainer Hawk am 31.12.2002
BAe Hawk Mk 66
Der Hawk zeichnete sich durch eine konventionelle und robuste Bauweise, sowie durch hervorragende Flugleistungen aus. Der Trainer wurde für die Grund- und Fortgeschrittenen Ausbildung der angehenden Kampfpiloten eingesetzt. Dabei erlaubte die moderne Instrumentierung auch die Blindflugausbildung und eine in einem Zusatzbehälter eingebaute 30-mm-Kanone die Einführung in den Erdkampf. Die auf beiden Sitzpositionen vorhandenen Schleudersitze vermittelten dem Flugschüler und dem Fluglehrer optimale Rettungsmöglichkeiten und Sicherheit. Bereits am 13.12.2002 mussten die direkt Betroffenen, früher als geplant, offiziell Abschied nehmen von diesem bewährten Schuljet. Auf Ende 2002 wurde die ganze Flotte ausgemustert. Alle 19 noch vorhandenen Maschinen waren in bestem Zustand. Zwölf Jahre lang standen die Flugzeuge im Dienste der Ausbildung der zukünftigen Tiger-, Mirage- und F/A-18-Piloten.

Verkauf
Die fliegende Schulbank
Mit der Beschaffung der Hawk-Flotte und des dazugehörigen Simulators gelang der Schweizer Luftwaffe anfangs der 90er Jahre ein Quantensprung in der Grundausbildung Jet. Wurden die Pilotanwärter bis Ende 1989 via Pilatus PC-7 und De Haviland DH-115 Vampire-Trainer sowie DH-100 Vampire ausgebildet und brevetiert, geschah dies ab 1990 mit dem Hawk, dem idealen Grundschuljet weltweit. Seine Flugleistungen, Flugeigenschaften, Systeme und vor allem die Anordnung der beiden Cockpits sind die Gründe, dass heute mehr als 20 Nationen die Hawk-Familie bilden. Wie bei jeder Einführung üblich, gab es auch beim Hawk viele «Kinderkrankheiten» auszumerzen. Nach zwei Pilotenschulen war die Technik eingeschliffen. Von da an zeichnete sich die Flotte durch eine hohe Zuverlässigkeit aus. Gleichzeitig fand eine Verbesserung in der technischen Ausbildung statt. Das Zweiwellentriebwerk, die Hydraulik- und Elektrik-Anlage sind modern gestaltet. So entschied man sich, zu Beginn eines jeden Umschulungskurses einen zweiwöchigen technischen UK einzuplanen, bevor man in den Flugbetrieb einstieg.


Der Simulator war eine Sensation
Bereits zum Standard gehört heute der Hawk-Simulator. Zu Beginn der Ära war er aber die Sensation. Unzählige Besuchergruppen haben im Hawk-Simulator einen Einblick in die Welt der Jet-Fliegerei erhalten. Dies war in den ersten Jahren dermassen stressig, dass der Chef Simulator in Zusammenarbeit mit seinen Partnern des damaligen BAMF mehrere Versionen von Besichtigungskonzepten erstellte. Der Simulator war jedoch vor allem für die Grundausbildung der Pilotanwärter der eigentliche Schlüssel zum Erfolg. Nach den anfänglichen Vorurteilen zu Simulatoren allgemein wurden die Vorzüge schnell erkannt und geschätzt. Man konnte gefahrlos Flugverfahren trainieren, an die man sich im «richtigen» Flugbetrieb nie herangewagt hätte. Die gesamte Instrumentenflug-Ausbildung wurde immer im Simulator absolviert. Dies meist im Sommer, wenn «draussen» schönes Wetter und angenehme Temperaturen herrschten. Im Simulator war es bewölkt, es regnete und stürmte - IFR (Blindflug)-Wetter eben. Mit Hilfe des Hawk-Simulators wurde bei vielen Jet-Piloten der Grundstein zu korrektem Verhalten in Pannensituationen gelegt. Andererseits half der Simulator, vielen Politikern, Journalisten und Luftwaffenkritikern die Welt der Militärjetfliegerei etwas begreifbarer zu machen. Und der Abstecher nach Emmen gehörte während Jahren zum Standardbesuchsprogramm für ausländische Generäle. Mehr als 20'000 Besucher haben in all den Jahren den Hawk-Simulator besichtigt.


Ein System - viele Partner
Die Hawk-Flotte wurde von vielen Partnern getragen. Alles begann noch in der «alten» Struktur der Flieger- und Flabtruppen mit dem BAMF und dem Flugzeugwerk F+W (heute RUAG Aerospace) in Emmen. Dann kam die Neuorganisation mit Luftwaffe, BABLW und SF (heute RUAG Aerospace). Das Systemmanagement war im FW angesiedelt, die Fachstelle in Sion beim BAMF/BABLW und der Simulator wurde von einem Spezialistenteam des BABLW Emmen betreut, «Hardies» und «Softies» genannt, was für Hard- und Softwaretechniker steht.Dass die Hawk-Flotte eine wahrlich schweizerisch-föderalistische Angelegenheit war, zeigt auch das Bild der weiteren Partner. In Lodrino war die Fachstelle für das Adour-Triebwerk, in Dübendorf bei der Zentrale des BABLW kümmerte man sich um den Betrieb schweizweit, in Interlaken wurde die Avionik gewartet und in Bern in der Luftwaffenzentrale liefen alle Fäden zusammen. Auch die Leute der Gruppe Rüstung in Bern und Emmen sowie nicht zuletzt die Partner des Generalstabs, welche jeweils die finanziellen Verpflichtungen zu erledigen hatten, halfen mit, dass die Hawk-Flotte in der Schweiz jahrelang erfolgreich sein durfte.


Internationale Kontakte
Der Hawk als Produkt der Firma BAE Systems ist der erfolgreichste Jet-Grundschultrainer überhaupt und steht weltweit zuverlässig im Einsatz. Seit 1996 durften Vertreter unserer Luftwaffe an Hawk-Symposien teilnehmen und somit vom reichen Erfahrungsschatz profitieren. Im Jahr 2000 hatte die Schweiz gar die Ehre, das Hawk-Symposium zu organisieren. Bereits 1995 hatten vier Piloten mit zwei Hawks von Sion aus die Kameraden der Royal Air Force in Valley, etwas südwestlich von Liverpool gelegen, besucht. Im Laufe des fünftägigen Besuches flog man noch nach Schottland. Die RAF Air Base in Kinloss war der nördlichste Punkt, welcher jemals von einem Schweizer Hawk angeflogen wurde. Besuche aus dem Ausland gab es viele. Sehr gute Kontakte wurden mit der finnischen Air Force gepflegt. Dass unsere Berge die zum Fliegen in der Schweiz weilende Delegation stark beeindruckt haben, erstaunt nicht, wenn man die Landschaft von Finnland kennt.


Traum für Fluglehrer
Der Hawk ist der Traum für einen Fluglehrer, der den Auftrag hat, einen Jungpiloten zum Jetfliegen auszubilden. Die Sicht aus dem hinteren Cockpit ist einmalig und muss als Benchmark weltweit bezeichnet werden. Die Flugeigenschaften, die Flugsteuerung und die Boule (der künstliche Horizont) sind massgeblich verantwortlich, dass die Pilotanwärter in so kurzer Zeit so grosse Fortschritte machten. Keine andere Nation schaffte die Ausbildung auf ein gleiches Niveau in dieser kurzen Zeit. Die Avionik des Hawk erlaubte es, auch Anflüge mit der ILS (Instrumentenlandesystem) auszuführen. Der Hawk war der erste Jet, der dies konnte. So gab es früher Wetterzustände, in denen nur noch die Hawk-Flotte und die Leichtflugzeuge flogen. Die übrigen Jets mussten wegen dem höheren Minimum am Boden bleiben. Heute ist die ILS-Fliegerei für alle selbstverständlich. Einzig die Tiger-Flotte ist noch nicht damit ausgerüstet. Übrigens: Dank dem Hawk öffnete sich 1996 auch die Ausbildung zur Jet-Berufsmilitärpilotin mit Einsatz als Fluglehrerin.


Einige Zahlen
Die Hawk-Flotte war während 19‘570 Stunden in der Luft. Der Leader ist U–1251 mit 1376 h, am wenigsten im Einsatz war U–1258 mit 687 h. Der Durchschnitt der 19 Flugzeuge liegt bei etwas mehr als 1000 h. Sie sind nach 12 Jahren Flugbetrieb immer noch wie neu. Die Wartung durch die Mitarbeiter des BABLW muss uneingeschränkt als weltmeisterlich eingestuft werden. Es gibt keine Flotte auf der Welt, die einen dermassen einwandfreien Zustand vorweisen kann nach so vielen Jahren. Es wurden etwas mehr als 100 Piloten auf den Hawk umgeschult. Die meisten Jungpiloten wurden einige Jahre nach der absolvierten Pilotenschule zum Jet-Fluglehrer auf Hawk ausgebildet. Der Hawk-Simulator war während mehr als 10'000 Stunden in Betrieb. Die Verfügbarkeit war mit 97.5 % sehr hoch. Sein grosses Visual von 200 x 60° war beeindruckend.


Die Nostalgie bleibt...
Die kurze Geschichte der Schweizer Hawk-Flotte wird immer zur Schweizer Luftwaffe gehören. Der Hawk wird vielen Schweizer Militärpiloten als gutmütiges und erstes Jet–Flugzeug in guter Erinnerung bleiben. Und sie werden wohl hin und wieder in den beiden Büchern Pearls of Switzerland und Spirit of Switzerland blättern, in denen der Hawk mit seinen Nationalfarben weiss und rot mit herrlichen Fotos vor prägnanten Orten unseres Landes abgebildet ist.


Zur Beschaffung
Nach einem eingehenden Evaluationsverfahren in den Jahren 1984 bis 1987 bewilligten die eidg. Räte im Rahmen des Rüstungsprogramms 1987 einen Kredit von 395 Mio Franken zur Beschaffung von 20 britischen Jet-Trainingsflugzeugen Hawk. In diesem Kredit war auch ein Simulator neuester Technologie zur Ausbildung der Piloten eingeschlossen. Die Vertragsunterzeichnung erfolgte am 20. Oktober 1987. Vorangegangen war ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen dem französischen Alpha-Jet und dem britischen Hawk, die sich gegen über einem Dutzend auf dem Markt stehender Jet-Schulflugzeuge behauptet hatten. Den Ausschlag für den Hawk gaben schliesslich die etwas robustere Bauweise und die bessere Sicht, beides wichtige Elemente für die Grundausbildung. Der erste Schweizer Hawk Mk 66 U-1251 absolvierte seinen Erstflug am 7. April 1989 vom Werkflugplatz Dunsfold in England aus. Der Flug wurde vom British Aerospace-Piloten Paul Hopkins ausgeführt und dauerte 1 Stunden 25 Minuten. Nebst der Überprüfung aller Systeme wurde die maximale Geschwindigkeit von 540 kts/Mach 0,98 sowie die maximale Einsatzhöhe von 45'000 ft erflogen. Am 8. November 1989 begann eine neue Ära im Bereich der Ausbildung der Fliegertruppen. Der erste Jet-Trainer Hawk wurde in Dunsfold durch die British Aerospace an die Gruppe Rüstung übergeben und anschliessend durch die GR-Testpiloten Fred Brennwald und Thomas Schwarz nach Emmen überflogen. Der Flug dauerte 102 Minuten. Am 31. Januar 1990 konnte die Gruppe Rüstung in Emmen der Luftwaffe den ersten Hawk übergeben. Die restlichen Einheiten wurden in Emmen montiert. Die Feierlichkeiten zur Übernahme des letzten Hawk-Flugzeugs fanden am 2. Oktober 1991 in Sion statt. Flugsimulator und Simulatorgebäude wurden am 12. Juni 1990 im Anschluss an die Vampire-Verabschiedung aus der Pilotenschule durch die Gruppe Rüstung den Fliegertruppen übergeben. Der Hawk-Simulator, der damals weltweit zu den modernsten gehörte, erlaube einen wesentlichen Beitrag zur Erhöhung der Flugsicherheit. Mit dem Ausbildungssystem Hawk konnte der Ausbildungsstand mit einem um ein Vielfaches geringeren Schadstoffausstosses erhalten werden, was zur Gesunderhaltung der Luft beitrug. Der einzige tödliche Unfall ereignete sich kurz nach der Einführung des Hawk am 15. Oktober 1990, als Oberleutnant Michel Moor mit dem HAWK Nr. U-1256 im Aletschgebiet abstürzte.
Technische Daten
| Max. Geschwindigkeit: | 1'013 km/h |
|---|
| Max. Steigleistung: | 47 m/s |
| Max. Einsatzhöhe: | 14'000 m/M |
| Flugdauer: | 2 Stunden |
| Reichweite: | 2'000 km |
| Bauart: | Tiefdecker in konventioneller Leichtmetallbauweise |
| Länge: | 11.9 m |
| Höhe: | 4 m |
| Spannweite: | 9.4 m |
| Rüstgewicht: | 3'635 kg |
| Zuladung: | 4'935 kg |
| Max. Abfluggewicht: | 8'750 kg |
| Triebwerk: | Modell: RR-Adour 861 |
| Hersteller: | Rolls Royce Ltd., GB |
| Typ: | Turbofan Triebwerk |
| Standschub: | 25.35 kN |
| Ausrüstung: | Schleudersitz, Druckkabine, Einziehfahrwerk, Sauerstoff- und Feuerlöschanlagen, Landeklappen, Doppelsteuer |
| Bewaffnung: | 30-mm-Kanonen (als Zusatzausrüstung) |