Hawker Hunter Mk 58/58A und T Mk 68


Entwicklungsfirma: Hawker Aircraft Ltd., Kingston, Grossbritannien (ab 1963 Hawker Siddeley)
Hersteller: Hawker Aircraft Factory, Dunsfold, Grossbritannien
Baujahre: 1958 (F Mk 58) und 1974/75 (T Mk 68 werkrevidiert und zusammengebaut)
Verwendungszweck: Jagd (Interceptor) und Erdkampf
Im Einsatz: 1958 - 1994
Anzahl beschaffter Flugzeuge: 160
Registrationen:
F Mk 58 (1. Serie): J-4001 bis J-4100 (Einsitzer, 100 Flugzeuge)
F Mk 58A (2. Serie, Occasion): J-4101 bis J-4130 (Einsitzer, 30 Flugzeuge)
F Mk 58A (3. Serie, Occasion): J-4131 bis J-4152 (Einsitzer, 22 Flugzeuge)
T Mk 68 (Occasion): J-4201 bis J-4208 (Zweisitzer, 8 Flugzeuge)
Beschaffung
In den späten Fünfzigerjahren der letzten Jahrhunderts galt es, die ersten Serien der damaligen Düsenflugzeuge DH-100 Vampire und DH-112 Venom durch moderne Kampfflugzeuge abzulösen. In der Endausscheidung mit dem North American F-86 Sabre und dem in der Schweiz noch in Entwicklung begriffenen FFA P-16 fiel die Wahl auf den englischen, bei Hawker Aircraft Ltd. gebauten Hunter Mk 6. Dieser Flugzeugtyp galt in der damaligen Fachwelt als Spitzenprodukt. Am 29. Januar 1958 beschlossen die Eidgenössischen Räte die Beschaffung von 100 dieser Kampfflugzeuge, inklusive Reservematerial und Munition direkt vom Herstellerwerk und im Kostenumfang von 313 Millionen Franken.
Bereits im April 1958 begann die Auslieferung und Überfliegung der neuen Maschinen von England in die Schweiz. Dies ermöglichte eine rasche Umschulung der Piloten und des technischen Personals, und bereits ein Jahr später waren fünf Fliegerstaffeln auf dem Hunter einsatzbereit. Die Fliegerstaffel 21 (Fl St 21) schulte vom 21. März bis 9. April 1959 als erste Milizstaffel auf den Hunter um. Die Hunter-Flugzeuge mit unserer Bezeichnung «Mk 58» wurden damals sowohl für Erdkampf wie für Luftkampfaufgaben eingesetzt. Dabei erwiesen sie sich als einsatzsichere, wirkungsvolle und voll miliztaugliche Kampfflugzeuge.


- Doppelsitzer Hawker Hunter T Mk 68, J-4206, zivil immatrikuliert als HB-RVV in der 2009 eingeführten neuen Bemalung als «Tigerhunter» / Foto: Fliegermuseum Altenrhein (Eigentümer des Hunters)

Vergrösserung der Hunter-Flotte
Die anfangs der Siebzigerjahre erneut geplante Flugzeugbeschaffung, bei der sich die beiden Typen Mirage Milan und Vought A-7 Corsair gegenüberstanden, wurde vom Bundesrat am 9. September 1972 mit seinem berühmten «Nullentscheid» zunächst unterbrochen. Zur Überbrückung des anstehenden Engpasses wurden dann wiederum bei Hawker Aircraft Ltd. in England werkrevidierte Occasion-Hunter erworben. In zwei Serien zu je 30 Einheiten (1971 und 1973), davon acht Doppelsitzer, wurden die zerlegten Maschinen in die Schweiz geschafft, im Eidgenössischen Flugzeugwerk Emmen (später SF Schweizerische Unternehmung für Flugzeuge und Systeme, heute RUAG Aviation) endmontiert und mit den neusten Modifikationen versehen. Dadurch erhielten sie die neue Bezeichnung «F Mk 58A» (Einsitzer) und «T Mk 68» (Doppelsitzer). Die beiden Serien wurden in den Jahren 1973 bis 1976 der Truppe abgeliefert.

Einsatzaufgaben und Flugleistungen
Während der 36-jährigen Verwendungsdauer wurden die Hunter-Kampfflugzeuge mehrmals modifiziert und mit neuen Systemen und Waffenanlagen nachgerüstet. In der Zeit von 1975 bis 1991 waren insgesamt neun Frontstaffeln und eine Sonderstaffel mit dem Hunter ausgerüstet. Mit der Inbetriebnahme der Northrop F-5E Tiger II Raumschutzjäger wurden die Hunter dann weitgehend von der Luftkampfaufgabe entbunden; ihre Hauptdomäne blieb der Jagdbombereinsatz. Die Hunter-Flotte erbrachte eine Flugleistung von ca. 310'000 Flugstunden bei rund 483'000 Einsätzen.
Leider ereigneten sich dabei auch Unfälle mit den verschiedensten, meist pilotenbedingten Ursachen. Von den insgesamt 160 beschafften Flugzeugen gingen 30 (29 Mk 58/58A und 1 Trainer T Mk 68) bei Unfällen verloren. Dabei erlitten 15 Piloten den Tod, 13 konnten sich mit dem Schleudersitz retten. Ein weiterer Hunter wurde bei Wartungsarbeiten durch einen Brand zerstört. Trotz dieser Unfälle galt der Hunter als zuverlässiges und von den Piloten gern geflogenes Kampfflugzeug. Und dies beweist auch sein erfolgreicher und völlig unfallfreier Einsatz in der Patrouille Suisse von 1964-1994.
Ende der Hunter-Ära
Ende 1994 wurden die Hunter-Kampfflugzeuge im Rahmen der Armeereform 95 ausser Dienst gestellt und die damit ausgerüsteten fliegenden Verbände aufgelöst. Nach über 36 Einsatzjahren galten die Hunter-Jagdbomber als technisch überaltert; ihre Kampfkraft wäre für ein künftiges Konfliktszenario ungenügend und ihr Unterhalt unverhältnismässig teuer geworden. Der letzte Flug fand am 16. Dezember 1994 statt. Dabei landete der erste seinerzeit in der Schweiz eingesetzte Hunter mit der legendären militärischen Kennung J-4001 symbolisch in Dübendorf und wurde dem dortigen FLIEGER FLAB MUSEUM übergeben.
Nur die J-4013, die von der KTA (später GRD, dann GR und heute armasuisse) seit der Ablieferung am 16.06.1959 trotz der am 13.12.1961 erfolgten Abgabe an die Truppe bis zuletzt immer als Versuchsmaschine verwendet wurde, flog als einziger Hunter noch etwas länger und wurde erst am 23.11.1995 ausgemustert.
Liquidation
Im Rahmen der Liquidation gingen 43 der total 73 Maschinen an neue Besitzer in insgesamt 14 Ländern. Die alten Kampfjets wurden als Geschenke an befreundete Luftwaffen (12 Maschinen) und an ausländische Museen (31 Maschinen) abgegeben. Verschenkt wurden nach Grossbritannien neun Maschinen, nach Frankreich und den USA je sieben, Deutschland vier, Norwegen drei, Kanada, Italien, Jordanien und Schweden je zwei, Österreich, Belgien, Niederlande, Südafrika und Ungarn je eine Maschine. In der Schweiz verblieben 30 Hunter. Neben der Luftwaffe, die die restlichen Maschinen als Ausstellungstücke behielt, sieht der Verteiler wie folgt aus: 12 Hunter erhielten Museen, fünf Maschinen gingen an Hunter-Vereine und Staffeln, sechs Maschinen kamen als Ausstellungsobjekte auf Flugplätze und vor Kasernen, ein ausgemusterter Hunter ist auf einem Trümmerübungsplatz als Übungsobjekt plaziert worden.
Der Hunter auf einen Blick
| 1957 | Erprobung Hunter Mk 6 |
| 15.11.1957 | Botschaft an die Eidgenössischen Räte |
| 29.01.1958 | Zustimmung durch Parlament (100 Einheiten) |
| 12.04.1958 | Abgabe des ersten Hunters Mk 58 mit der Kennung J-4001 an die Truppe (entsprach nicht der Serienausführung, wurde später normalisiert. Dieser Hunter steht seit April 2002 im FLIEGER FLAB MUSEUM in Dübendorf |
| 09.04.1960 | Abgabe des letzten Flugzeugs Mk 58 (J-4100) |
| 21.09.1972 | Die Eidgenössischen Räte bewilligen die Nachbeschaffung einer zweiten Serie von 30 Occasions-Flugzeugen für 105 Millionen Franken |
| 04.12.1972 | Abgabe des ersten Hunters Mk 58A (J-4101) an die Truppe |
| 12.03.1973 | Es wird einer dritten Serie Occasions-Hunter zum Preis von 108,5 Millionen Franken zugestimmt. Diese Serie bestand aus 22 Einsitzern F Mk 58A und acht Doppelsitzer-Trainern T Mk 68 |
| 1972 - 1976 | Ablieferung der 2. und 3. Serie Mk 58A, inklusive 8 Trainer Mk 68 |
| 10.02.1976 | Abgabe des letzten Mk 58A mit der Kennung J-4152. Er gehört heute zum FLIEGER FLAB MUSEUM in Dübendorf, hat aber vorläufig keinen Platz in der Ausstellung) |
| 19.08.1975 | Abgabe des ersten Trainers vom Typ Hunter T Mk 68 (J-4201) |
| 05.07.1976 | Abgabe des letzten von acht Trainern T Mk 68 (J-4208) |
| 16.12.1994 | Letzter Flug eines Hunters bei der Schweizer Luftwaffe. Alle Hunter, die sich zu diesem Zeitpunkt noch im Einsatz befanden, wurden 1994 ausgemustert. |


- Doppelsitzer Hawker Hunter T Mk 68 J-4206, zivil immatrikuliert als HB-RVV an den Internationalen Belpmoostagen 2004 / Foto: Hugo Freudiger


- Doppelsitzer Hawker Hunter T Mk 68 J-4205, zivil immatrikuliert als HB-RVP startet in St. Stephan (BE) / Foto: Fliegermuseum Altenrhein (Eigentümer des Hunters)