Dassault Mirage IIIS
Lizenzbau: F+W Emmen (heute RUAG Aviation), Pilatus AG, FFA
Baujahre: 1963 (J-2301), 1963/64 (J-2302), Serie 1965 bis 1967
Verwendungszweck: Abfangjäger
Besatzung: 1 Pilot
Im Einsatz: 1966 - 1999
Anzahl Flugzeuge: 36
Registrationen: J-2301 bis J-2336
Mirage IIIS: Ein Abfangjäger der Superlative
Die Besten: Supertiger und Mirage III
Die Arbeitsgruppe beantragt dem Generalstabschef deshalb die Beschaffung der Mirage IIIC, die mit dem Supertiger fast gleichgezogen hat. Im Gegensatz zu diesem steht aber ihre Einführung in grosser Serie bei einer ausländischen Luftwaffe fest, bei der französischen Armée de l'air. Und optimistisch kommt die Arbeitsgruppe zum Schluss, «dass die Entwicklungsmöglichkeiten der Mirage IIIC gross genug sind, um ab initio eine Zweihunderter-Serie planen zu dürfen»!
Der Bundesrat entscheidet sich für die Mirage III und beantragt 1961 dem Parlament einen Kredit von 871 Mio. Fr. für die Beschaffung von 100 Maschinen. Die Räte stimmen zu. Für die Mirage, deren Zelle und Triebwerk in der Schweiz in Lizenz gebaut werden soll, sprechen die Leistungen, dann aber auch die Nähe zum Herstellerwerk, die identischen Masseinheiten und das Wegfallen von Übersetzungsproblemen, Vorteile, denen heute nicht mehr die gleiche Bedeutung zukommt.
Als erstes Exemplar wird 1962 eine französische Mirage IIIC gekauft, mit der Waffeneinsatzerprobungen in Cazaux/F und Holloman/USA stattfinden. 1964 folgen - ebenfalls aus Frankreich - zwei Doppelsitzer IIIBS für die Ausbildung und Schulung der zukünftigen Mirage-Piloten.
Massive Mehrkosten
Köpferollen im EMD
Br Fritz Gerber, Direktor der Abteilung für Militärflugplätze, übernimmt interimistisch die Funktionen des Kdt und WafC FF Truppen. Das EMD wird reorganisiert. Die neu geschaffene «Gruppe für Rüstungsdienste» soll einen besseren Ablauf der Rüstungsbeschaffung gewährleisten, ausserdem wird die parlamentarische Kontrolle verstärkt. Der Nationalrat lehnt den Zusatzkredit ab und reduziert die Zahl der zu beschaffenden Maschinen von 100 auf 57. Einem unumgänglichen Zusatzkredit von 150 Mio. stimmt das Parlament 1965 aber doch noch zu.
Feuertaufe bei der israelischen Luftwaffe
Nach dem von Frankreich gegen Israel verhängten Waffenembargo wird dort ein eigenes Nachfolgemuster entwickelt, der Kfir, der wiederum erfolgreich ist gegen die von den Sowjets neu an die arabischen Länder gelieferten Kampfflugzeuge. Für ihre Flugzeugindustrie verschaffen sich die Israelis illegal Triebwerkunterlagen bei Sulzer.
Die Mirage ist einsatzbereit
1967 wird Hptm Fernand Carrel, diplomierter Ingenieur ETHL und Milizpilot, als Flugversuchsleiter zu den Fliegertruppen geholt. Die Arbeit mit der Mirage wird zur wichtigen Erstaufgabe des künftigen Kommandanten Luftwaffe. Er erarbeitet ihre operationellen Einsatzmethoden. Im Folgejahr wird Hptm Aridio Pellanda Kommandant der ersten Mirage-Staffel, der Fliegerstaffel 17 des Überwachungsgeschwaders.
In Payerne kann unter Leitung von Hptm Gion Bezzola ein Flugsimulator zur Ausbildung der Piloten in Betrieb genommen werden, der SIMIR. Jetzt werden auch JATO-Kurzstarthilfen (jet assisted take-off) eingeführt: Bis zu acht Feststoffraketen unter dem Flugzeugrumpf verkürzen die Startstrecke auf unter 300 m. So kann das Flugzeug von einem teilweise zerstörten Flugplatz evakuiert werden: 300 m intakte Piste sollten auch dann noch vorhanden sein. Zum kurzzeitigen Steigen und Beschleunigen in extremen Höhen um 20'000 m wird ein SEPR-Raketenmotor unter dem Rumpfheck mitgeführt. Aus dieser Höhe soll die Mirage hochfliegende feindliche Bomber angreifen und dann ihre zwei Lenkwaffen HM-55S Falcon einsetzen. Für den Luftkampf ist sie mit zwei 30-mm-Kanonen und zwei Sidewinder-Infrarotlenkwaffen ausgerüstet.
Fünf Mirage fliegen im Verband
1969 ist die Beschaffung der Kampfflugzeuge Mirage IIIS abgeschlossen, 1970 jene der Aufklärerversion IIIRS. Die von den Räten bewilligten 57 Flugzeuge sind damit bei der Fliegertruppe. Abgesehen von den modernsten Apparaten der US Air Force Europe verfügen die Eidgenossen jetzt zusammen mit den Franzosen über den besten Abfangjäger Mitteleuropas. 1969 und 1971 kann je ein Doppelsitzer zugekauft werden, 1983 zwei weitere Schulflugzeuge B/DS.
1974 entgeht ein Viererverband des Überwachungsgeschwaders bei Payerne nur knapp einer Katastrophe: Eine Maschine streift im Flug den Boden auf 150 m Länge, zwei weitere rasieren Sträucher ab. Nach diesem Vorfall darf die teure und schnelle Mirage nur noch einzeln oder zu zweit im Tiefflug vorgeführt werden.
Ein zuverlässiges Flugzeug
Wenn wir bedenken, dass die deutsche Luftwaffe während nur 30 Jahren von 917 etwa zeitgleich entwickelten und beschafften Lockheed F-104G Starfighter deren 269 durch Absturz verloren hat, wobei 113 Piloten ihr Leben lassen mussten, so hat sich die Mirage als vergleichsweise sicheres und zuverlässiges Flugzeug erwiesen. Die Einschätzung der schweizerischen Erprober von 1959 aber, dass «die hohen Anforderungen an das fliegerische Können und die prekären Verhältnisse bei Notlandungen mit Triebwerkpannen» den Starfighter als ungeeignet erscheinen lassen, hat sich als richtig erwiesen. Desgleichen der Verzicht auf den Supertiger, der nie in Serienproduktion ging.
Lenkwaffentests in Vidsel - Überschallflüge ab Decimomannu
Überschallflüge unter 10'000 m/M sind über schweizerischem Territorium verboten. 24 Berufspiloten mit je sechs Mirage und Tiger können aber 1985 erstmals vom sardinischen Decimomannu aus Luftkampfübungen unter diesen Bedingungen über dem Meer durchführen; sie werden in den Folgejahren wiederholt. Die modernen Überwachungsanlagen auf Decimomannu erlauben eine lückenlose Auswertung der kontrollierten Luftkämpfe.
Kampfwertsteigerungen
Der F/A-18 ersetzt die Mirage IIIS
Ende 1997 wird die erste F/A-18-Staffel operationell: Eine neue Generation von Abfangjägern ist damit einsatzfähig, ein Flugzeug, das den Gegner auf 100 km Distanz sieht und auf 30 km bekämpft, und zwar mehrere Ziele gleichzeitig. Beim Mirage sind es 30 km Sicht und 12 km Einsatzdistanz. Der Zwang zum Sparen und das Ende des Ost/West-Konflikts legen die Ausmusterung der über 30-jährigen Mirage-IIIS-Flotte nahe. Die Geschäftsleitung VBS beschliesst daher 1998, die noch vorhandenen 29 Mirage IIIS auf Ende 1999 ausser Dienst zu setzen. Jährlich können damit rund 11 Mio. Fr. Betriebskosten eingespart werden.
Etwa zehn Mirage IIIS sind seither in Flugzeugmuseen zu bewundern.
Vorerst blieben die Mirage IIIBS, respektive IIIDS und die IIIRS weiterhin im Dienst, aber auch die Doppelsitzer und die Aufklärer wurden schliesslich im Jahr 2003 ausgemustert.
Abschied
Am Ende ihrer Dienstzeit erhielten zwei Mirage IIIS eine Sonderbemalung, so auch die hier gezeigte J-2311, die zum Abschied mit einem goldenen Anstrich geflogen wurde.
Bild: Dassault







